gebet III

Marco Michalzik

Schenke uns achtsame Augen,
Du deutest auf Lilien und kümmerst dich um Sperlinge. 

Lass uns Barmherzigkeit begeistert bejahen,
Du machst den unbeliebten Fremden zum Beispiel selbstloser Hilfe.

Lass uns inmitten des Chaos campen und schenke uns Ruhe,
Du hast im Boot geschlafen und ließt dich vom Sturm nicht beunruhigen.

Lass uns Demut demonstrieren,
Du bist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen.

Lass uns Erlebtes erzählen und Empathie entdecken,
Du erzählst von einem Sohn, der Barmherzigkeit erfährt, obwohl er glaubt, die nicht verdient zu haben.

Lass uns Frieden finden,
Du bist das Lamm, das erscheint, wo andere sich einen brüllenden Löwen wünschen.

Lass uns Gutes genießen und Gerechtigkeit großschreiben,
Du hast die Unberührbaren berührt und mit Geächteten gegessen.

Lass uns Hoffnung hochhalten,
Wegen dir ahnen wir Auferstehung im Winter, bevor der Frühling durchbricht.

Hilf uns dabei, deine Ideen zu inhalieren,
Du sagst, segnet eure Feinde und betet für die, die Schlechtes für euch wollen.

Hilf uns mit den Jubelnden zu jubeln und mit den Jammernden zu jammern,
Du hast den Wein beim Feiern vermehrt und dich für deine Tränen nicht geschämt.

Lass uns nicht von Kapital korrumpiert werden,
Du sagst, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich.

Hilf uns, Liebe zu leben,
Du bist die Liebe, hinter der ein Punkt und kein Aber steht.

Lass uns nicht von Macht manipuliert werden,
Du bist in einem Stall geboren und an einem Kreuz gestorben und als dich die Menge einmal zum König krönen wollte, hast du sie einfach ignoriert und bist fortgegangen.

Lass uns die Neugier nicht negieren,
Du bist allen Menschen offen begegnet, ohne auf Herkunft, Geschlecht oder Status zu schauen.

Lass unsere Ohnmacht nicht die Oberhand gewinnen,
„Fürchtet euch nicht“ ist ein Satz, den du mutmachend oft deinen Freunden zusprichst.

Hilf uns, in unseren prallvollen Plänen Pausen zu praktizieren,
Du gingst regelmäßig allein an einsame Orte, um aufzutanken.

Lass uns ein Quartier nah der Quelle haben,
Du gibst lebendiges Wasser und wer davon kostet, wird nie wieder durstig werden.

Hilf uns richtig von Reichtum zu reden,
Hast du nicht die Armen in der Welt erwählt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das du denen verheißen hast, die dich liebhaben?

Lass uns sanftmütig sein,
Denn die hast du selig genannt und dir gewünscht, dass sie die Welt gestalten.

Lass uns Trost und Trotzkraft teilen
Und auch die am Leid schwer Tragenden nennst du selig und sagst, sie sollen getröstet werden.

Lass uns Unrecht nicht unwidersprochen hinnehmen,
Du erzählst von einer Witwe in Armut, die einen ungerechten Richter so lange bestürmt, bis sie ihr Recht bekommt.

Hilf uns Versöhnung zu versuchen,
Du machst Frühstück für deine Freunde, die dich im Stich gelassen und verleugnet haben.

Lass uns wütend werden, wo Menschen der Zugang verwehrt wird
Du hast die Tische umgeworfen und die Händler aus dem Tempel gejagt.

Und lass uns nicht am Zweifel zerbrechen,
In der Dunkelheit hast du Gott gefragt, warum er dich verlassen hat.

Und hilf uns in all dem und in jedem Menschen,
der uns begegnet dein Gesicht zu sehen
und uns selbst in unserem Nächsten zu erkennen.

Amen