Mach dir keine Sorgen – von Gofi

Es gibt gerade wirklich viele Gründe, sich Sorgen zu machen. Kriege, die sich über ganze Regionen ziehen und ineinander verwoben sind. Wahlen, die verunsichern. Eine Politik, die ins Wanken gerät. Das Erstarken extremer Kräfte. Dazu die ganz persönlichen Sorgen: Krankheit, Erschöpfung, die Angst vor dem, was noch kommen könnte. Man muss nicht lange suchen, um einen Anlass zur Beunruhigung zu finden.

Wie soll man sich dazu verhalten? Bedeutet ein gelassener Glaube, dass man einfach den Kopf in den Sand steckt und so tut, als wäre alles gut? Das wäre zu einfach – und würde der Wirklichkeit nicht gerecht.

Die eigene Erfahrung aus schwierigen Lebensphasen zeigt oft etwas anderes: Sorgen haben noch nie wirklich geholfen. Sie verändern nichts an der Situation selbst. Im Gegenteil – sie machen das, was ohnehin schon schwer ist, häufig nur noch schwerer. Genau darum geht es in einem der bekanntesten Abschnitte der Bibel, in der sogenannten Bergpredigt Jesu.

Was der Bibeltext sagt

Der Text steht im Matthäus-Evangelium, dem ersten Buch des Neuen Testaments, im 6. Kapitel – im selben Kapitel übrigens, in dem auch das Vaterunser überliefert ist. Beide Abschnitte liegen also nicht zufällig so nah beieinander. Hier die Verse 25 bis 34 in der Übersetzung Martin Luthers:

Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wer ist unter euch, der seiner Lebenslänge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Zwei Nymphensittiche, die zu Hause leben, sind dabei eine überraschend hilfreiche Beobachtungshilfe: Sie begrüßen jeden Tag mit derselben Begeisterung wie den Tag davor, freuen sich an kleinen Dingen und tun jeden Tag dasselbe – spielen, schlafen, fressen. Ihnen zuzusehen, ist fast schon eine kleine seelische Übung. Natürlich sind das nur Vögel. Aber genau das ist ja der Punkt, den Jesus macht: Wenn schon die Vögel versorgt sind, ohne sich selbst darum zu kümmern – wie viel mehr dann die Menschen, die Gott besonders am Herzen liegen.

Warum Sorgen sinnlos sind

Jesus nennt hier im Grunde mehrere Gründe, warum Sorgen nichts bringen. Erstens verändern sie objektiv gar nichts: Niemand kann sich durch Sorgen auch nur eine Stunde mehr Lebenszeit verschaffen. Zweitens zeigt der Blick auf die Natur – die Vögel, die Feldblumen –, dass Gott bereits für das sorgt, was keine eigene Vorsorge treffen kann; und Menschen sind, wie es im Text heißt, „viel kostbarer“ als das. Drittens schließlich bringt die Sorge um die Zukunft nichts Konstruktives: „Jeder Tag hat seine eigene Plage“ – wer sich heute schon um morgen sorgt, trägt zwei Lasten gleichzeitig, ohne dass ihm das etwas nützt.

Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf das deutsche Wort „sorgen“. Es steckt in zwei ganz unterschiedlichen Bedeutungen: Man kann sich um jemanden sorgen im Sinne von kümmern – etwa wenn man dafür sorgt, dass es jemandem gut geht. Und man kann sich Sorgen machen im Sinne von grübeln, sich den Kopf zerbrechen, sich die schlimmsten Szenarien ausmalen. Diese zweite Form von Sorge ist passiv. Sie führt zu nichts, außer dass sie einen selbst zermürbt. Das aktive Kümmern dagegen tut etwas – und verändert tatsächlich etwas.

Was wir stattdessen tun sollen

Genau darauf zielt der zentrale Satz des Textes: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.“ Das griechische wie das deutsche „trachten“ meint ein aktives Sich-Bemühen – im Grunde: Kümmert euch darum. Aber worum genau?

Die Evangelische Kirche in Deutschland fasst auf ihrer Seite zu biblischem Grundwissen zusammen, was mit „Gerechtigkeit“ in diesem Sinn gemeint ist: Gerechtigkeit ist bei Gott mehr als eine ausgewogene Rechtsprechung. Es geht darum, dass alle Geschöpfe zu ihrem Recht kommen. Alle bekommen so viel, wie sie brauchen – und das ist die Bedingung für Frieden und ein Merkmal von Gottes Reich.

Sich um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zu kümmern heißt also: sich nicht nur um das eigene Wohlergehen zu sorgen, sondern mit dafür einzutreten, dass es allen gut geht. Statt in Grübeleien über eine ungewisse Zukunft zu versinken, richtet sich der Blick auf das, was jetzt gebraucht wird – bei einem selbst und bei anderen – und auf das, was man aktiv dafür tun kann.

Körperliche Bedürfnisse sind kein Ablenkungsmanöver

Wer kirchlich geprägt aufgewachsen ist, hört in solchen Sätzen leicht etwas heraus, das dort eigentlich gar nicht steht: dass körperliche Bedürfnisse unwichtig seien, dass es nur auf die Seele oder das ewige Leben ankomme und man Essen, Kleidung, aber auch Urlaub, Kunst, Genuss oder Zärtlichkeit gering schätzen solle. Diese Trennung zwischen einer angeblich niederen körperlichen und einer höheren geistlichen Ebene ist tatsächlich tief in der Kirchengeschichte verankert – sie steht aber nicht in diesem Text.

Jesus formuliert hier kein Entweder-oder. Er sagt nicht: Kümmert euch um das Geistliche statt um das Körperliche. Er sagt: „Das Leben ist mehr als die Nahrung, der Leib ist mehr als die Kleidung.“ Das ist eine andere Aussage. Der Körper ist wichtig – er ist nur nicht alles, was zählt.

Das passt zu einem Satz aus dem 5. Buch Mose, den Jesus an anderer Stelle selbst zitiert hat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund hervorgeht.“ Dort steht ausdrücklich nicht allein – nicht „nicht von Brot“. Der Mensch lebt sehr wohl auch vom Brot, nur eben nicht ausschließlich davon. Die Bedürfnisse des Menschen sind demnach beides zugleich: körperlich und spirituell, und beides gehört untrennbar zusammen. Diese scharfe Trennung zwischen Körper und Geist, wie sie später in der Kirchengeschichte entstanden ist, kennt zum Beispiel das Judentum in dieser Form gar nicht.

Eine Haltung fürs Jetzt

Am Ende bleibt ein Vertrauen, das man Gott entgegenbringt: nicht nur, dass er könnte, sondern dass er auch will. Dass Gott mächtig genug ist, um zu helfen, mag man noch vergleichsweise leicht glauben. Schwerer – und deshalb das eigentlich Herausfordernde an diesem Text – ist die Zusage, dass er es auch wirklich will, weil einem Menschen kostbar sind für ihn. Das lässt sich nicht beweisen. Es ist ein Vertrauensvorschuss, den man Gott gewährt, gerade dann, wenn man selbst gerade einen Mangel erlebt oder das Gefühl hat, dass ihm etwas Lebenswichtiges fehlt.

Und dieses Vertrauen richtet sich konsequent auf die Gegenwart, nicht auf die Zukunft. Statt sich in Was-wäre-wenn-Szenarien zu verlieren, geht es darum, für einen Moment stehenzubleiben und zu fragen: Was ist jetzt der Fall? Was brauche ich jetzt, was braucht mein Gegenüber jetzt – und worum kann ich mich jetzt aktiv kümmern? „Jeder Tag hat seine eigene Plage“ klingt zunächst nüchtern, fast schroff. Aber darin steckt eine kluge Lebenshaltung: Die Angst vor der Zukunft hilft ohnehin nicht weiter. Was weiterhilft, ist der Blick auf das Jetzt – mit wachem Verstand, offenen Augen für die Not um einen herum und dem Vertrauen, dass man darin nicht allein gelassen wird.


Fragen zum Gespräch

  1. Der Text unterscheidet zwischen „sich Sorgen machen““” (grübeln, zermartern) und „sich kümmern“ (aktiv handeln). Wo in deinem eigenen Leben würdest du diese beiden gerade eher trennen – und wo vermischen sie sich?
  2. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit“ wird hier gedeutet als: sich nicht nur um das eigene Wohlergehen zu kümmern, sondern darum, dass es allen gut geht. Was würde sich in deinem Alltag oder in eurer Gemeinschaft ändern, wenn ihr diesen Maßstab wirklich ernst nehmen würdet?
  3. Der Artikel betont, dass körperliche Bedürfnisse – Essen, Kleidung, aber auch Genuss, Kunst, Zärtlichkeit – nicht gering geachtet werden, sondern zum Glauben dazugehören. Wo begegnet euch im eigenen kirchlichen oder familiären Umfeld eher die gegenteilige Botschaft, dass das Körperliche „unwichtig“ sei? Wie geht ihr damit um?

(Artikel von claude.ai auf der Grundlage des Transkripts; Prompt von Gofi Müller)